Für wen erstellen Sie einen Business Plan?

Der Spaß gerät nun immer mehr in den Hintergrund, die Ernsthaftigkeit gerät in den Vordergrund“, sagt Martin Talmeier vom HPI augenzwinkernd, um das Training des Tages gegenüber den vorherigen kreativen und explorativen Sessions einzuordnen. Aufschlussreich und unterhaltsam war es trotzdem.

Möchten Sie für sich und Ihr Team, für potentielle Investoren und für den Endkunden Klarheit über die Geschäftsidee und die Ertragsmechanismen erhalten, erstellen Sie einen Business Plan. Das richtige Zusammenspiel aus einem erzählenden Teil, aus einem formalen und einem Zahlenteil ist entscheidend. Zahlen und Formalien sind wichtig für potentielle Unterstützer, sind aber auch ein guter Prüfstein für einen selbst. Habe ich alles bedacht?

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Training bei der Different GmbH

Was ist wichtig für einen guten Business Plan?

Wichtig für den erzählenden Teil sind am Ende nicht ausgefeilte, lange Dokumente, sondern dass die Kernaussagen passend und ansprechend kommuniziert werden können – ob auf drei oder dreißig Seiten, ob als Fließtext, Präsentation oder mit Graphiken, Diagrammen, Bildern.

Wenn der Investor es nicht versteht, wie soll es der Kunde verstehen?,

sagt Axel Nitsch Senior Investment Manager vom High-Tech Gründerfonds in seiner Videonachricht an die Teilnehmer.

Jeder Plan könne so individuell gestaltet sein, wie die Idee es ist, denn Inhalt, Zielgruppe, Team und Zielsetzung sind immer unterschiedlich. Der neue Trend, sich mit den Großen zu Vergleichen, um sein Geschäftsmodell zu erklären, à la „Wir sind das Uber für Landmaschinen oder die digitale Hotelkette für Individualreisende“, hält er für wenig zielführend. Er rät, lieber individuell und originell zu sein, eine klare, differenzierte Aussage zu finden, statt eines Vergleiches, der hinkt.

Die Frage lautet, wie schaffe ich es, die wichtigsten Kerninhalte rüberzubringen und dabei keine offenen Flanken zu lassen?

ergänzt Nitsch. Alle kritischen Fragen, die aufkommen könnten, sollten bedacht werden, statt sie zu meiden. Lösungswege für bestehende Probleme sollten aufgezeigt werden, anstatt zu hoffen, dass diese nicht entdeckt werden – das sei selten der Fall.

Zu guter Letzt, so Axel Nitsch, sei ein Businessplan und auch der zahlenbasierte Liquiditätsplan ein wichtiges Vertriebsdokument für einen selbst: Nur wenn ich selbst Klarheit über mein Angebot und meine Kosten habe, kann ich es gut und prägnant nach außen kommunizieren.

Das Business Model Canvas – eine gute Übersicht

Das Business Model Canvas diente den Arbeitsgruppen und ihren Geschäftsideen im Training als Strukturierungsgrundlage. Diese Art Setzkasten, stellt die neun wichtigsten Elemente eines  Geschäftsplans übersichtlich dar, kann also auch Ihnen helfen den Business Plan in Teamarbeit strukturiert zu erarbeiten.

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Vorlage Busines Model Canvas, Quelle: strategyzer.com
  • Wertangebot/ Nutzenversprechen: Welcher Wert oder Nutzen bietet die Verbindung aus Produkt und Dienstleistung für Ihren Kunden? Welche Probleme löst es?
  • Kundensegmente: Für welche Menschen und Institutionen Werte schaffen Sie diese Werte, vom einfachen Nutzer zum zahlenden Kunden?
  • Kundenbeziehungen: Welche Art der Beziehung bauen Sie auf?
  • Vertriebs- und Kommunikationskanäle: Was sind die Berührungspunkte über die Sie mit Ihren Kunden und Partnern interagieren?
  • Umsatzströme: Was ist der Preismechanismus, durch den Sie Gewinne erzielen?
  • Aktivitäten & Ressourcen: Was sind unabdingliche Bestandteile der Infrastruktur für Funktionieren und Erfolg?
  • Partner: Wer unterstützt Sie Ihr Geschäftsmodell zu optimieren und Teile der Ressourcen und Aktivitäten abzudecken?
  • Kostenstruktur des Geschäftsmodells: Welche Kosten entstehen in diesem Gesamtprozess?

Der Urheber des Business Model Canvas, Alexander Osterwalder, hat die Vorlage als Common License unter www.strategyzer.com zur Verfügung gestellt, Sie können diese also für Ihre Workshops kostenfrei nutzen.

Zahlen bedenken, um später nicht zu zahlen – der Liquiditätsplan

Neben der guten Story, die man im Business Plan erzählt und dem vertrauensvollen, kompetenten Team, welches man darin vorstellt, sollte man auch seine Kernkennzahlen im Griff haben – Auftritt Liquiditätsplan.

Die ersten Zahlen sind immer eine Lüge, aber sind ein wunderbarer Rahmen, um zu sehen, wo es hingehen soll und ob es überhaupt Sinn macht,

sagt Alexander Kiock, Business Model Expert von der diffferent GmbH, welche die Gastgeberin des Trainings ist.

Es zählt also nicht das Klein-klein der Zahlen, wenn finanzielle Vorausplanungen sowieso Spekulationen sind: Das Finanzgerüst muss aber die Finanzierbarkeit zeigen, die Kernzahlen müssen so z.B. den Investitionsbedarf, die eigenen Arbeitskraft und die Kosten für Mitarbeiter enthalten. Die Darstellung von Umsatz, Ertrag, variablen Kosten und Vorsteuern kann signalisieren, dass ein Plan mit Bedacht und Wissen erstellt wurde.

Das Ziel sollte eher sein, die Mechanik zu erklären: Was sind die Umsatz- und Kostentreiber? Wie kann man ein Modell skalieren? Wieviel Liquidität brauche ich in welchen Phasen? Wann komme ich an die Schwelle, dass ich vorne weniger reinstecke, als hinten herauskommt?

Axel Nitsch berichtet aus seiner Erfahrung mit Gründern:

Ein Zeichen dafür, dass sich jemand in den Details der Excel-Liste verloren hat: der Plan zeigt nach kurzer Zeit eine Gewinnmarge von 50% und einen Marktanteil von 100 % an.

– so unrealistisch, wie wenig glaubwürdig.

Erkenntnisse

Die Teilnehmer arbeiteten intensiv an ihren Business Modellen und an einem ersten Entwurf eines Liquiditätsplans. Am Ende befand ein Teilnehmer:

2% ist die Idee, 98% ist Fleiß und Umsetzung, eine Idee ist nur so gut wie die Wirtschaftlichkeit!

Auch zeigte sich, wie wichtig es ist, beim Jonglieren mit den Zahlen und dem Recherchieren einzelner, typischer Kostenpunkte  nicht den Spirit der Grundidee zu verlieren.

Ich habe mich bisher gescheut, selbst am Canvas zu arbeiten und habe heute in der gemeinsamen Arbeit daran gemerkt, dass es auch für meine Idee doch Sinn macht daran zu arbeiten.

verriet ein Teilnehmer.

Ich konnte mich viel besser mit dem Modell anfreunden als mit den Zahlen und Fakten eines klassischen Business Plans,

kommentierte ein anderer die Verwendung des Business Model Canvas.

Marie Landsberg

Expertentipps in Kürze

  • Banken tun sich teilweise schwer Start-Ups im Beginn zu finanzieren
  • Empfehlenswert: den Anfang anders zu finanzieren, um später klarer und gestandener an Investor/ Bank heranzutreten
  • In fortgeschrittener Investitionsphase ist dann der Liquiditätsplan wichtiger als der Business Plan
  • Für größere Investitionen sind Banken wichtig, da Finanzierung aus dem operativen Cash-Flow schwierig
  • Banken wollen Bewusstsein für bestimmte Kostenpunkte sehen
  • Vorlagen für Business Pläne & Checklisten gibt es bei Gründerzentren
  • Empfehlenswert: über Abschreibungen & Vorsteuer bei Steuerberater informieren
  • Lohnenswert: Maschinen & andere großen Investitionsgüter leasen, da im Kauf nur ein Teil der Kosten steuerlich sofort abschreibbar

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