Was haben Gesundheitswesen, Lebensmittelhändler und -hersteller, Apotheken und Paketzusteller in der Krisenzeit gemeinsam? Die meisten Anbieter aus diesen Branchen benötigen dringend mehr Personal-Ressourcen. Diese stehen ihnen jedoch nicht in dem Maß zur Verfügung, wie die Nachfrage der Kunden steigt.

Auf der anderen Seite gibt es zahlreiche Unternehmen, bei denen der Betrieb stillsteht. Sie können die eigenen Mitarbeiter im Unternehmen nicht einsetzen, Maschinen bleiben ungenutzt und Lager haben Leerstand. Warum sollten Unternehmen also ihre Ressourcen nicht sinnvoll gemeinsam nutzen?

Arbeitnehmerüberlassung und das gemeinsam nutzen von Ressourcen können Unternehmen aus der Corona-Krise helfen

Sharing Economy: Personal und Ressourcen teilen

Die aktuell schwierigen Zeiten bringen uns zurück zu einem Thema, das es schon immer gab und das neumodisch auch unter dem Begriff „Sharing Economy“ bekannt ist. Das heißt, wir nutzen und teilen unsere Ressourcen miteinander. In der derzeitigen Ausnahmesituation ist das Thema aktueller denn je und viele Unternehmen können es als Chance sehen.

Ein Beispiel aus der Praxis:

Ein Restaurant muss seinen Betrieb vorerst schließen, dass bedeutet für das Personal, dass es der aktuellen Beschäftigung nicht mehr nachgehen kann. Auf der anderen Seite sucht  ein Altenheim dringend einen Koch und unterstützende Kräfte.

Dabei handelt es sich um eine Arbeitnehmerüberlassung. Doch wie funktioniert das und was müssen ArbeitgeberInnen und Mitarbeitende beachten?

„Gelegentliche“ Arbeitnehmerüberlassung in der Corona-Krise

Aufgrund der aktuellen Corona-Krise können auch Unternehmen, die grundsätzlich keine Arbeitnehmerüberlassung durchführen, dies nun ausnahmsweise ohne eine Erlaubnis nach dem Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG) tun. Das ist mit der sogenannten „gelegentlichen Arbeitnehmerüberlassung“ geregelt. Diese kurzfristige, erlaubnisfreie Arbeitnehmerüberlassung ist nach der Einschätzung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) durch eine Ausnahmeregelung möglich (§ 1 Absatz 3 Nummer 2a AÜG).

Sie können also aufgrund der Corona-Krise ArbeitnehmerInnen an Unternehmen überlassen, die unter akutem Arbeitskräftemangel leiden. Das sind beispielsweise Unternehmen in der landwirtschaftlichen Erzeugung, in der Lebensmittellogistik oder im Gesundheitswesen.

Voraussetzung für die erlaubnisfreie Arbeitnehmerüberlassung ist, dass

  • die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer der Überlassung zustimmen
  • Sie nicht beabsichtigen, dauerhaft als Arbeitnehmerüberlasser tätig zu sein
  • die Überlassung zeitlich begrenzt auf die aktuelle Krisensituation erfolgt
Übersicht: So funktioniert die Arbeitnehmerüberlassung

So funktioniert die Arbeitnehmerüberlassung:

Bei der Arbeitnehmerüberlassung laut § 1 Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG) sind drei Parteien beteiligt: Der Arbeitgeber (Verleiher) stellt seinen Arbeitnehmer einem Dritten (Entleiher) zur Arbeitsleistung zur Verfügung. Der Entleiher setzt den entliehenen Arbeitnehmer nach eigenen betrieblichen Erfordernissen ein und ist ihm gegenüber weisungsbefugt. Der Leiharbeitnehmer erbringt die Arbeitsleistung für den Entleiher, bleibt aber weiterhin Arbeitnehmer seines Arbeitgebers (Verleiher). Hierbei ist Voraussetzung, dass die Arbeitnehmerüberlassung zeitlich begrenzt ist (i.d.R. beträgt die Höchstüberlassungsdauer 18 Monate). Außerdem muss zwischen dem Verleiher und dem Leiharbeitnehmer ein Arbeitsverhältnis sowie ein Arbeitsvertrag bestehen.

Wichtiger Hinweis:

Unabhängig von der aktuellen Corona-Krise gilt diese oben beschriebene Arbeitnehmerüberlassung ohne einzuholende Erlaubnis nicht für Unternehmen aus der Baubranche, jedoch gibt es auch an dieser Stelle Ausnahmen. Weitere Informationen zum Thema Zeitarbeit und Arbeit­nehmerüberlassung finden Sie auf der Webseite der Generalzolldirektion.

Ressourcen an andere Unternehmen verleihen

Neben der Überlassung von Personal, können Unternehmen weitere, nicht genutzte Ressourcen, anderen Unternehmen aus der Region zur Verfügung stellen. So können sie zum Beispiel Maschinen und spezielle Werkzeuge (z. B. Hebebühnen, Radlader, Bagger) verleihen, die sie nur selten nutzen oder die sie nicht durchgehend benötigen.

Auch das großzügige Lager, welches ein Betrieb aufgrund des kurzzeitigen Produktionsrückgangs nicht vollständig nutzt, kann vermietet werden. Ebenso kann ein Betrieb nicht vollständig ausgeschöpfte Ladeflächen im LKW und dadurch entstehende Leerfahrten vermeiden, indem er sie mit anderen Unternehmen gemeinsam nutzt.  Ein Sharing von Büroräumen und Produktionsanlagen ist ebenfalls denkbar.

Plattformen helfen Unternehmen in der Krise sich zu finden

Wo und wie finden sich die Unternehmen?

Unternehmen finden oft nicht so schnell und einfach zueinander. Häufig ist unklar, welche Leistung getauscht werden kann und soll, ob der andere vertrauenswürdig ist oder die Konditionen angemessen sind. Hier können Online-Plattformen unterstützende Arbeit leisten, indem sie Angebot und Nachfrage zusammenführen. Einige Plattformen sind auf bestimmte Bereiche spezialisiert wie bspw. Erento, hier können Fahrzeuge wie Wohnmobile und Transporter, Baumaschinen, Ausstattung für Veranstaltungen und Eventattraktionen gemietet werden. Auf der JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit werden Unternehmen ebenfalls fündig.

Hinzu kommen Plattformen, die im Bereich Innovationsunterstützung arbeiten, wie die Plattform „Cluster helfen Unternehmen“ von der Wirtschaftsförderung Land Brandenburg GmbH (WFBB).

Ergänzend gibt es Portale, die fast alle denkbaren Bereiche abdecken wie beispielsweise eBay Kleinanzeigen für Geschäftskunden.

Eine neue Plattform für brandenburgische UnternehmerInnen wird voraussichtlich im Mai zur Verfügung stehen – unterstützt durch die WFBB, das Wirtschaftsforum Potsdam-Mittelmark und das Institut für Innovation- und Informationsmanagement GmbH. Unternehmen aus Brandenburg erhalten so die Möglichkeit Maschinen, Werkzeuge und Fahrzeuge untereinander anzumieten/zu vermieten, mit zu nutzen oder Personal zu überlassen.

News

Privat: Förderung: Bis zu 4.000 € für Beratungskosten

Die Förderung aus dem Corona-Sondermodul wurde vorzeitig eingestellt. Corona-betroffene KMU einschließlich Freiberufler können eine Förderung für professionelle Beratungsleistungen bis zu einem Wert von 4.000 Euro ohne Eigenanteil beantragen. Antragsfrist ist der 31. Dezember 2020.

Wir bieten Hilfe für Unternehmen

Im Webinar „Vermieten, Überlassen, Mitnutzen – Neue Chancen mit bestehenden Ressourcen“ vom 05. Mai sind wir genauer auf das Thema eingegangen. Sie können sich das Webinar auf YouTube ansehen:

Mit dem richtigen Konzept sicher durch die Krise

Die aktuelle Situation verlangt von vielen Unternehmen schnelles Handeln. Prozesse müssen jetzt digitalisiert, Mitarbeitende im Homeoffice weitergebildet und Geschäftsmodelle neu ausgerichtet werden. Wir unterstützen Sie aktiv und kostenfrei bei der digitalen Transformation.

In unserer neuen Online-Sprechstunde beantworten wir gerne Ihre Fragen zur Projektanmeldung.

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