Digital Gender Gap

Wie digital ist die deutsche Gesellschaft?

Der Digitalisierungsgrad der deutschen Bevölkerung wird seit acht Jahren über den D21-Digital-Index mit Hilfe einer Skala von 0-100 Punkten gemessen. Der Index setzt sich aus den vier Bereichen:

  • Zugang zur Digitalisierung
  • Nutzungsverhalten in der digitalen Welt
  • Digitale Kompetenz und
  • Offenheit gegenüber Digitalisierung zusammen.

Dabei erreicht die deutsche Gesamtbevölkerung einen Wert von 55 Punkten.

In der Arbeitswelt beeinflusst die Digitalisierung mittlerweile fast alle Branchen und Abteilungen. Für Sie als Arbeitgebende ist die zunehmende Digitalisierung mit der Anschaffung von Geräten und Software, der Schulung Ihres Personal oder der Entwicklung von innovativen neuen Ideen sowie Geschäftsmodellen verbunden. Die Bertelsmann Stiftung hält jedoch fest, dass bei der digitalen Transformation in Deutschland Nachholbedarf besteht. In einer Befragung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gaben 60 Prozent an, ihr Unternehmen als digital nicht fortgeschritten wahrzunehmen. Gleichzeitig stehen die meisten der Digitalisierung aufgeschlossen gegenüber. Es bestehen aber erhebliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern, hier kommt der Digital Gender Gap ins Spiel!

Was ist der Digital Gender Gap?

Beim Digital Gender Gap handelt es sich um den Unterschied im Verhältnis zwischen Männern und Frauen die Zugang zu digitalen Technologien haben sowie die Möglichkeit sie zu nutzen oder entwickeln. Im Schnitt ist der Digitalisierungsgrad von Frauen geringer als bei Männern und das drückt sich auch in der Arbeitswelt aus.

Eine Sonderauswertung des D21-Digital-Index 2018/2019 hat ergeben, dass Frauen über alle soziodemografischen Merkmale hinweg einen geringeren Digitalisierungsgrad aufweisen als Männer. Während die Gesamtgesellschaft einen Wert von 55 Punkten erreicht zeigen die Ergebnisse, dass Männer mit 61 Punkten einen höheren Gesamtwert erzielen als Frauen mit 51 Punkten. Die zehn Punkte Differenz verdeutlichen die Lücke in der Digitalisierung zwischen den Geschlechtern, den Digital Gender Gap.

Während 56% der Vollzeit beschäftigten Männer am Arbeitsplatz einen Laptop zur Verfügung gestellt bekommen, erhalten diesen nur 36% der Vollzeit beschäftigten Frauen. Ein Smartphone erhalten 32% der Männer, aber nur 24% der Frauen.

Der Digital Gender Gap spiegelt sich in der Arbeitswelt wieder. Am deutlichsten sichtbar wird er bei der Verteilung mobiler Endgeräte und digitaler Anwendungen. So haben nur zehn Prozent der Vollzeit beschäftigten Frauen Zugang zu Videokonferenzdiensten, aber 23 Prozent der Männer und während elf Prozent der Frauen einen Fernzugang für mobiles Arbeiten haben, sind es  21 Prozent der Männer.

Zu finden ist der Digital Gender Gap auch bei der Wissensaneignung im Bereich digitale Themen. Während Frauen Schulungen und Weiterbildungen häufiger selbst finanzieren, wird Männern dieses Angebote öfter vom Unternehmen finanziert.

Digitalisierung am Arbeitsplatz

Warum sollten Sie den Digital Gender Gap schließen?

Der digitale Wandel verändert die Arbeitswelt und wirkt sich unmittelbar auf die Beschäftigten aus. Dabei erleben Männer und Frauen Digitalisierung unterschiedlich. Der Digital Gender Gap stellt nicht nur einen Nachteil für Frauen dar, sondern betrifft die Wirtschaft direkt:

In Deutschland sind 46% der Erwerbstätigen Frauen. Zudem stellen sie allgemein einen Pool gut qualifizierter Arbeitskräfte dar, mehr als die Hälfte der Studierenden und Abiturienten sind weiblich. Eine Studie der Europäischen Kommission geht davon aus, dass mit gleichem Zugang zu digitalem Wissen und Technologien innerhalb Europas jährlich neun Milliarden Euro mehr erwirtschaftet und gleichzeitig Joblücken geschlossen werden könnten. Damit ist die Geschlechtergleichstellung ein wichtiges Wirtschaftsthema. Leidet Ihr Unternehmen unter dem Fachkräftemangel oder fehlenden digitalen Kompetenzen? Die Studie verdeutlich: Verpassen Sie es den Digital Gender Gap in Ihrem Unternehmen zu schließen, geht Ihnen viel Potenzial verloren.

Neben den wirtschaftlichen Aspekten, gibt es weitere Gründe die für eine Schließung der Lücke sprechen. Als Unternehmen sollten sie einen ganzheitlichen Corporate Social Responsibility Ansatz anstreben. Das bedeutet sie verfolgen nicht nur ökonomische Ziele, sondern tragen auch Verantwortung im Sinne von sozialer Nachhaltigkeit. Die Gleichstellung der Geschlechter und das Vorgehen gegen den Digital Gender Gap ist Teil davon.

Tipp:

Welche Tools Ihnen bei einer Nachhaltigen Digitalisierung in Ihrem Unternehmen helfen, lesen Sie in unserem Beitrag: „Grün Digitalisieren: Diese nachhaltigen digitalen Tools sollten Sie kennen“.

Welche Vorteile ergeben sich für Ihr Unternehmen?

Für Sie als Unternehmen ergeben sich direkte Vorteile, wenn Sie den Digital Gender Gap schließen:

Mobile Endgeräte und Zugang zu digitalen Anwendungen ermöglichen Ihren Angestellten unter anderem das mobile Arbeiten. Insbesondere im letzten Jahr wurde durch die Corona-Pandemie die Bedeutung flexibler Arbeitsmodelle deutlich. Wenn Sie als Unternehmen Frauen systematisch weniger mit mobilen Geräten und digitalen Anwendungen ausstatten, gestaltet sich für Sie die Umsetzung mobiler Modelle schwieriger. Hinzu kommt, dass Frauen und damit ein erheblicher Teil der Erwerbstätigen dadurch weniger auf die digitale Transformation, die in den meisten Unternehmen notwendig ist, vorbereitet werden.

Die Ausstattung mit mobilen Endgeräten ist Voraussetzung für einen weiteren wichtigen Punkt, die Aneignung von digitalem Wissen. Mit der zunehmenden Digitalisierung verändern sich die Anforderungen an Kompetenzen Ihrer Mitarbeitenden. Wenn sie Angebote zur Weiterbildung wahrnehmen können, ist Ihr Unternehmen diesen neuen Anforderungen besser gewachsen.

Gendergerechte Digitalisierung bietet Ihrem Unternehmen außerdem Differenzierungschancen. Mit einem Fokus auf frauengerechte Digitalisierung können Sie sich einen Wettbewerbsvorteil um die besten Fachkräfte erarbeiten. Attraktive Arbeitsbedingungen sichern Ihnen motivierte Mitarbeitende und binden diese an Ihr Unternehmen. Außerdem verbessert sich die Wahrnehmung Ihres Unternehmens gegenüber der KundInnen, wenn Sie die Bedürfnisse von Frauen berücksichtigt und sozial wirtschaften.

Digital Gender Gap im Unternehmen

Wie schließen Sie den Digital Gender Gap?

Wir haben drei Tipps, die Sie umsetzen können, um dem Digital Gender Gap in Ihrem Unternehmen entgegenzuwirken. So schaffen Sie ein gleichberechtigtes und im Sinne von Corporate Social Responsibility sozial nachhaltiges Unternehmensumfeld, mit Vorteilen für die KundInnen, Mitarbeitenden und Ihr Unternehmen selbst:

  • Gerechte Verteilung digitaler Endgeräte

Haben Sie sich schon einmal Gedanken darüber gemacht, wie und mit welchen mobilen Endgeräten Sie Ihre Mitarbeitenden ausstatten? Die Kriterien zur Ausstattung sollten transparent und nachvollziehbar sein und keinesfalls als Statussymbol gelten. Wenn der Zugang am Arbeitsplatz offen und niedrigschwellig ist, können Sie flexible Arbeitsmodelle leichter umsetzen und so auf Krisen wie die Corona-Pandemie besser reagieren. Gleichzeitig erhöhen Sie die Chancen zur erfolgreichen Implementierung neuer digitaler Technologien, wenn Sie alle Ihre Mitarbeitenden berücksichtigen.

  • Betreiben Sie Inventur. Zählen Sie einmal nach: Wie viele digitale Geräte stellen Sie ihrem Team zur Verfügung? Wie viele davon fallen auf Männer, wie viele auf Frauen?
  • Erstellen Sie einen für Ihre Mitarbeitenden nachvollziehbaren und transparenten Leitfaden zur Verteilung.
  • Verteilen Sie Geräte geschlechtergerecht um oder schaffen Sie gegebenenfalls weitere Geräte an.
  • Ausgeglichene digitale Wissensaneignung

Mit der Digitalisierung verändern sich die Anforderungen und Tätigkeitsprofile der Beschäftigten. Weiterbildungsmaßnahmen können sie auf diese Veränderungen vorbereiten. Ihr Unternehmen sollte gendergerechte Qualitätsstandards für die Entwicklung digitaler Kompetenzen einführen. Dadurch können Sie im Rahmen von Aus- und Weiterbildungsangeboten Unterschiede zwischen den Geschlechtern berücksichtigen. Passen Sie Ihre Angebote zielgruppenspezifisch an Frauen an und beziehen Sie die unterschiedlichen Wissensstufen mit ein. So können Sie Digitalkompetenz gerecht vermitteln.

  • Verschaffen Sie sich einen Überblick zu den Digitalkompetenzen Ihres Teams.
  • Überprüfen Sie die Kriterien Ihres Unternehmens, die festlegen welche Mitarbeitenden eine kostenfreie Weiterbildung erhalten. Wenn notwendig passen Sie diese geschlechterspezifisch an.
  • Stellen Sie mit Hilfe der Weiterbildungen sicher, dass alle Mitarbeitenden in etwa den selben digitalen Kenntnisstand erlangen.
Wussten Sie, dass in der Altersgruppe der 25-44-Jährigen nur 29% der Frauen oder Weiterbildung finanziert durch den Arbeitgebenden angeboten wird, während dieses Angebot 39% der Männer erhalten? Bei der Gruppe der 14-24-Jährigen beträgt die Differenz 12%.
  • Frauen mit einbeziehen

    Bei der Auswahl von neuen Technologien für Unternehmen entscheiden 30% der Männer aber nur 22% der Frauen mit. In Folge fühlen sich 52% der Frauen digitalen Technologien ausgeliefert und die Belastung am Arbeitsplatz nimmt zu. Wenn Sie Ihre weiblichen Mitarbeitenden in diesen Prozess mit einbeziehen erhöhen Sie ihre Motivation zur aktiven Auseinandersetzung mit Digitalisierung. Gleichzeitig festigen Sie ihr Vertrauen in die eigenen digitalen Fähigkeiten. Damit verbessert sich nicht nur die Digitalkompetenz Ihrer Mitarbeiterinnen, sondern die Ihres gesamten Unternehmens.

  • Wer bestimmt bei der Einführung neuer Technologien in Ihrem Unternehmen mit? Achten Sie auf diverse Teams und beziehen Sie Frauen aktiv in den Prozess mit ein.

Digitale Plattformen werden für die Wirtschaft immer wichtiger, neue digitale Technologien kommen zum Einsatz und Prozesse werden zunehmend digitalisiert und automatisiert. Der Digital Gender Gap verdeutlicht, dass Frauen im Rahmen dieser Entwicklungen aktiv berücksichtig werden müssen. Als Unternehmen holen Sie so alle Ihre Mitarbeitenden ab und sind geschlossen bereit für die digitale Transformation, denn mit vielfältigen und diversen Teams arbeiten Sie erfolgreicher.

Geschlechtsspezifische Unterschiede in der Digitalisierung

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