Testen Sie wie zugänglich Ihre Webseite ist

Digitale Barrierefreiheit und gesetzliche Grundlagen

Zugänglichkeit (Accessbility) bezieht sich auf die barrierefreie Gestaltung von Webseiten, mobilen Applikationen und Web/Desktop Software. Im Allgemeinen kann es ebenfalls die Kommunikation und Darstellung von Inhalten im Internet betreffen. Das Thema digitale Barrierefreiheit erhielt seinen Stellenwert mit der Verbreitung von Internet-Technologien und der massenhaften Nutzung von internetfähigen Endgeräten.

Auf internationaler Ebene hat bereits im Jahr 1999 das W3C (World Wide Web Consortium) einen Zugänglichkeit-Standard, die Web Content Accessibility Guidelines (WCAG), eingeführt. In Deutschland existiert seit dem Jahr 2011 die Verordnung zur Schaffung barrierefreier Informationstechnik, nach dem Behindertengleichstellungsgesetz, welche vor allem die Barrierefreiheit für öffentliche Anwendungen und Dienste vorschreibt.

Gründe für eine barrierefreie Webseite

Obwohl die barrierefreie Webseitengestaltung für private Unternehmen bisher keine gesetzliche Pflicht ist, ergibt eine verbesserte digitale Barrierefreiheit für Ihre Online-Präsenz durchaus Sinn. Wir geben Ihnen drei Gründe warum.

1. Erweiterung der Nutzerbasis
In Deutschland leben fast 8 Millionen Menschen mit Schwerbehinderungen. Viele Schwerbehinderte nutzten verstärkt das Internet und die IT-Technologien, um sich die Teilhabe am öffentlichen Leben zu erleichtern. Eine barrierefreie Seite verschafft Ihnen somit den Zugang zu dieser Nutzergruppe und macht Ihre Angebote für sie attraktiver.

2. Verbesserte Nutzbarkeit
Auch für andere Nutzende kann eine barrierefreie Seite durchaus Mehrwert bieten. Zum Beispiel bei einer schlechten Internet-Verbindung lädt eine Webseite oft nicht vollständig, Bildbeschreibungen oder Videoskripte sind dann hilfreich. Beim Surfen im Internet mit schlechten Lichtverhältnissen können diese Alternativen ebenfalls hilfreich sein, denn Texte mit niedrigem Kontrast zum Hintergrund sind dann kaum oder gar nicht lesbar.

3. SEO-Optimierung
Viele Grundsätze der digitalen Barrierefreiheit überschneiden sich mit den Empfehlungen für Suchmaschinen-Optimierung. Beispielsweise machen einfache Textstrukturen, die Nutzung der Zwischenüberschriften und die Beschriftung von visuellen Inhalten Ihre Seite für Suchmaschinen besser auffindbar und indexierbar.

Zugänglichkeitstests für Ihre Webseite

Die beste Möglichkeit für das Testen der Zugänglichkeit Ihrer Webseite bietet eine Kombination aus manuellen Testtechniken (sogenannte manuelle Reviews) und automatisierten Testmethoden.

Um die manuelle Überprüfung durchzuführen, kann man sich beispielweise an den WCAG-Standard wenden. Die zweite Fassung, WCAG 2.0, welche im Jahr 2008 herausgegeben wurde, besteht aus 12 Richtlinien, die 4 Prinzipien zugeordnet sind: Wahrnehmbarkeit, Bedienbarkeit, Verständlichkeit und Robustheit.  So können beispielweise die Fragen aussehen, welche Sie sich bei einer manuellen Zugänglichkeitsprüfung stellen sollten:

Wahrnehmbarkeit

  • Werden für Nicht-Textinhalte, wie Bilder und Videos, Textalternativen angeboten (z.B. Bildbeschreibungen oder ALT-Texte)?
  • Werden für Audiodateien und Videodateien (zeitbasierte Medien) Untertitel oder Skripte zur Verfügung gestellt?
  • Werden rein dekorative Elemente so dargestellt, dass sie von Screenreadern (Vorlese-Anwendungen) ignoriert werden können?
  • Achten Sie bei den Farben in der Gestaltung Ihrer Webseite auf ausreichend hohen Kontrast, was unter anderem den Nutzenden mit Sehschwäche oder Farbblindheit ermöglicht, die Inhalte wahrzunehmen?
  • Sind die Schriften ausreichend groß bzw. lassen sie sich (auch auf mobilen Geräten) leicht vergrößern?
Testen Sie die Zugänglichkeit Ihrer Webseite

Bedienbarkeit

  • Gibt es bei bewegenden oder automatisiert scrollenden Inhalten die Möglichkeit, diese zu pausieren oder auszublenden?
  • Haben alle Seiten einen Titel, der das Thema oder den Zweck der Seite beschreibt?
  • Ist der Inhalt durch Abschnittsüberschriften gegliedert?
  • Haben alle Links einen klaren Linktext, welcher den Zweck des Links beschreibt?

Verständlichkeit

  • Sind die Texte der Seite leicht verständlich und haben sie eine klare Struktur?
  • Werden Abkürzungen im Text oder über weiterführende Links erklärt?
  • Sind die Bedienelemente innerhalb der Seiten und Seitennavigation konsistent?
  • Sind die Eingabefelder bei Formularen eindeutig bezeichnet und gibt es eine erklärende Fehlermeldung im Falle der Fehlangabe?
  • Bietet die Webseite eine kontextuelle Hilfe?

Robustheit

  • Können die Texte, aber auch andere Komponenten der Seite gut von Screenreadern erfasst werden?
  • Für die interaktiven Komponenten, kann die Interaktion mittels Screenreadern oder anderen assistierenden Techniken ermöglicht werden?

Weitere Testmöglichkeiten für die Barrierefreiheit Ihrer Website

Eine weitere Technik zur manuellen Überprüfung ist die Nutzung der Technik, welche eine Person mit Einschränkungen einsetzten würde. Zum Beispiel das Durchlesen der Seite mit einem Screenreader oder das Bedienen der Seite mittels einer Tastatur. Fangen Sie die Überprüfung mit den meist besuchten (z.B. Homepage) und wichtigsten (z.B. Kontaktangaben) Seiten an.

Für eine automatisierte Überprüfung der Webseiten existieren bereits mehrere Tools, u.a. das webbasierte Tool WAVE von WebAIM oder WordPress Plugins wie Web Accessibiltiy Helper oder Equalize Digital. Nachdem die Fehler durch ein automatisiertes Tool entdeckt wurden, müssen diese allerdings manuell verifiziert und behoben werden.

Tipp:

Lesen Sie in unserem Beitrag: „So geht grünes Webdesign – 4 Tipps für eine nachhaltige Website„, wie Sie Ihre Webseite nachhaltig gestalten.

Die Autorin:

elena semenova

Elena Semenova

… ist bei redbots im Bereich Marketing und Backoffice tätig. Die Redbots GmbH ist ein Software- und IT-Consulting-Unternehmen, das über praxisnahes Know-How in allen Bereichen der Softwareentwicklung verfügt.

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