E-Learning nach innen oder nach außen?

E-Learning können Sie für unterschiedliche Zwecke in Ihrem Unternehmen einsetzen. Innerhalb des Unternehmens eignet es sich beispielsweise für Weiterbildungsmaßnahmen für Ihre Mitarbeiter oder zur Einführung neuer Technologien. Dabei ist es nicht zwingend notwendig, eigene Onlinekurse zu produzieren. Unternehmen haben auch die Möglichkeit, aus einer Vielzahl bestehender MOOCs und E-Learning-Angeboten auszuwählen und sie für sich zu nutzen. Eine Hilfe bei der Suche sind MOOC Aggregatoren wie Mammooc oder Class Central.

Doch auch nach außen können E-Learning-Formate eine positive Wirkung entfalten. Ein E-Learning-Format sollte nicht als reines Marketingwerkzeug konzipiert werden, doch wenn es gut ist, Sie beispielsweise Ihren Kunden ein komplexes Produkt erklären oder bestimmte Werkzeuge näherbringen, strahlt das auf Ihr Unternehmen zurück und erfüllt somit seinen Marketingzweck.

E-Learning
(c) Tatiana Gayvoronskaya, HPI

Welche Formen des E-Learnings gibt es überhaupt?

  • Erklärvideos: Eine Form der Vermittlung können Erklärvideos sein. Insgesamt eignen sich Videos besser als Text, sie werden gerade bei Jüngeren eher genutzt als lange, erklärende Texte. Dabei müssen die Videos nicht aufwendig sein.

Eine ansprechende aber simple Form sind die Legetricks. Hier legen Sie erklärende Bilder mit der Hand und erklären im Hintergrund. Auch Flatmotions  sind witzig und unterhaltsam, dabei klar in der Darstellung: animierte Charaktere wie in Cartoons führen durch eine Thematik. Zahleiche Beispiele finden Sie auf videoplattformen im Netz.

  • Webinare: sind live E-Learning Kurse um in einem Unternehmen eine Technologie oder ein Produkt zu erklären. Bei geografischer Distanz sind der Referent und die Teilnehmer live dabei, Folien und Bilder werden angezeigt. Das ist interaktiv, aber nicht offline möglich. Manchmal werden Mitschnitte der Webinare im Nachgang zur Verfügung gestellt.
  • Web-based Training: hier können Module oder Lernthemen gewählt werden, für die Online und zeitlich unabhängig Informationen, Bilder, Audios, Erklärvideos oder Quiz zur Verfügung gestellt werden. Oft führt ein animierter Charakter durch den Kurs, aber keine lebendigen Personen sind involviert. Am Ende gibt es eine Bewertung ob bestanden.
  • Blended Learning wird  an einigen Universitäten und Instituten sowie von eher größeren Unternehmen eingesetzt. Die Stärke von Blended Learning liegt vor allem in der Vorbereitungs- und Nachbereitungsphase von Lernprozessen. Dabei werden die Vorteile von Präsenzveranstaltungen mit denen des E-Learning kombiniert. Präsenzphasen und Online-Phasen sind aufeinander abgestimmt. Die Teilnehmer lernen  die Sprechern/Referenten/Coaches und anderen Teilnehmern persönlich kennen und haben während der Online-Phasen die Möglichkeit, mit diesen über Chats zu kommunizieren. Dieses Format ist sehr interaktiv, zum Teil online und offline nutzbar. Auf Fragen im Chat gibt es Antworten von anderen Lernenden oder dem zuständigen Teaching Team. MOOCs werden oftmals als Online-Modul im Rahmen eines Blended Learning Konzepts eingesetzt.

Was sind MOOCs? Interview mit Stefanie Schweiger & Thomas Staubitz von openHPI

Was bieten MOOCs?

MOOCs bieten die Möglichkeit, kostenlos und geografisch sowie zeitlich unabhängig an geführten Kursen zu den verschiedensten Fachthemen teilzunehmen, mithilfe unterschiedlicher Formate und spielerischer Elemente. Am Ende können Teilnehmer ein anerkanntes Zertifikat erhalten – müssen aber nicht. Die Teilnahme ist kostenlos, das optionale Zertifikat am Ende kostet zwischen 50 und 300 Dollar (43 – 255 €), je nach Anbieter und Thema.

Besonderheiten von MOOCs:

  •  Flexibilität (lerne wann und wo du möchtest!)
  • Struktur (wöchentlich neue Inhalte, Deadlines, …)
  • Skalierbarkeit (Teilnehmerzahl unbegrenzt)
  • Komplett online verfügbar
  • Offen für alle & auf vielen Plattformen kostenlos verfügbar
  • Soziale Komponente (Foren, Lerngruppen, SocialGraph)
  • Fächerübergreifend einsetzbar

Guidelines, Empfehlungen und bewährte Praktiken, wie man MOOCs einsetzen sowie Kollaboration zwischen Unternehmen und Hochschulen ermöglichen kann finden Sie unter: www.mooc-book.eu

Um einen Eindruck zu bekommen, wie MOOCs funktionieren können, schauen Sie sich z.B. die Plattformen open.hpi.de, open.sap.com, mooc.house oder die Instanz der Weltgesundheitsorganisation openwho.org an.

MOOCs für den Mittelstand – geeignet hinsichtlich Kosten und Teilnehmerzahl?

MOOCs funktionieren erst dann richtig gut, wenn eine gewisse „kritische Masse“ an Lernern an den Kursen partizipiert und miteinander interagiert. Bedenken Sie, dass nur etwa 15%der Kursteilnehmer tatsächlich aktiv am Kurs mitwirken und beispielsweise Beiträge in den Foren verfassen.

Aus diesem Grund sind MOOCs eher nicht dazu geeignet von kleinen und mittleren Unternehmen selbst aufgesetzt zu werden, wenn es darum geht ihre Mitarbeiter zu schulen. Auch bezüglich der Kosten für eine eigene Plattform kann es sich nur lohnen, wenn es z.B. eine Branchenkollaboration gibt, oder wenn Sie Ihre vielfältigen Produkte Ihren zahlreichen Kunden ansprechend vermitteln wollen und sich somit die Kosten über Marketing und Kundenbetreuung amortisieren.  Die Hostingpreise variieren – von Open Source Kursmanagementsystemen bis hin zu ausgeklügelten Plattformen mit vollem Support für mehrere 10.000 Euro ist alles dabei. Neben den reinen Hostingkosten müssen Sie außerdem noch Kosten für die Produktion einkalkulieren.

Gerade für kleinere Unternehmen ist es empfehlenswert, erst einmal die vorhandenen MOOC-Angebote zu scannen, vielleicht ist ja hier bereits etwas für Sie und Ihre Mitarbeiter dabei.

Text: Marie Landsberg mit Unterstützung von Tatiana Gayvoronskaya, Stefanie Schweiger, Thomas Staubitz

Fotos: Marie Landsberg (BVMW) & HPI

Aufnahmen aus dem Training E-Learning von _Gemeinsam digital

Mögliche E-Learning-Anbieter im Bereich Blended Learning/ MOOC

mooc house

OpenHPI

Udacity

iversity

Coursera

Future learn

edX

Class-central

Coursetalk

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