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Das europäische Projekt GAIA-X

Was ist GAIA-X?

Das Projekt GAIA-X wurde 2019 ins Leben gerufenes und 2020 offiziell nach belgischem Recht gegründet. Es verfolgt keine Gewinnabsichten, sondern den Aufbau einer vertrauenswürdigen und unabhängigen digitalen Infrastruktur für Europa, von dem Organisationen über internationale Grenzen hinweg profitieren können. Bereits vorhandene Daten- und Infrastrukturökosysteme sollen dabei miteinander verknüpft und nach europäischen Maßstäben nutzbar gemacht werden. Neben der Bildung einer sicheren, vernetzten und nutzerfreundlichen Struktur verfolgt das Projekt zwei weitere Hauptziele: Abhängigkeiten von amerikanischen oder chinesischen IT-Anbietern reduzieren sowie Innovationen fördern. Für den Tausch und die Verarbeitung von Daten wird hohe Transparenz angestrebt.

Wie funktioniert GAIA-X?

GAIA-X folgt einem dezentralen Ansatz. Das Ökosystem vernetzt verschiedene Infrastrukturen über zahlreiche Knotenpunkte. Cloud-Anbietern und ihren Produkten liefert es die technischen Voraussetzungen, um wertschöpfungsfördernde Systeme zu betreiben und diese auf gemeinsame Rahmenbedingungen abzustimmen. Im Laufe des Projekts wird zur Orientierung ein GAIA-X Katalog entstehen, in dem die Dienste aller Anbieter gelistet sind. Darin verzeichnete Gütesiegel sorgen für Transparenz und geben an, welchen Standards die jeweiligen Services folgen. Anwende können so die passenden Anbieter finden und verschiedene Angebote miteinander kombinieren. Der sichere Datenaustausch soll dadurch branchen- und länderübergreifend möglich sein.

Wer beteiligt sich am Projekt?

22 Unternehmen und Organisationen aus Deutschland und Frankreich gründeten GAIA-X. Sie bilden zusammen die GAIA-X Association, in der sie Mitglieder des Projekts vertreten, rechtliche Rahmenbedingungen entwickeln und die Zusammenarbeit organisieren. Zurzeit beteiligen sich zusätzlich sieben europäische Länder sowie über 300 Organisationen am Projekt. Zusätzlich wird die  Europäische Kommission in die Arbeit mit einbezogen. Das Projekt lädt neue europäische und außereuropäische Interessierte zum Mitwirken ein.

Wenn Sie sich am Projekt beteiligen wollen, können Sie sich mit Ihrem Interesse an folgende E-Mail-Adresse wenden: contact@data-infrastructure.eu

Warum brauchen wir GAIA-X?

Bisher findet die Datenverarbeitung vor allem durch außereuropäische, häufig in den USA und China ansässige Unternehmen statt. Dadurch unterliegen sämtliche Daten, die diese Firmen verarbeiten, den juristischen Vorschriften des jeweiligen Landes. Die Services werden daher selten DSGVO-konform angeboten. In den USA gilt beispielsweise der US Cloud Act. Dieser erlaubt es US-Behörden, ohne rechtlichen Beschluss auf die Daten der Firmen zuzugreifen, selbst wenn diese in europäischen Rechenzentren gesichert sind.

GAIA-X folgt dem Open Source Prinzip. Mit einheitlichen Standards und Vorschriften wird der Datenaustausch nach europäischen Datenschutzregeln vereinheitlicht.

Die wichtigsten Informationen rund um das Projekt GAIA-X gibt es auch kurz erklärt in unserem Video:

Vorteile von GAIA-X

Das Projekt bietet viele Vorteile für Daten- und Cloud-Sevices, dazu zählen unter anderem:

  • Datensouveränität durch vollständige Kontrolle über gespeicherte und verarbeitete Daten.
  • Hohe Datensicherheit durch garantierte europäische Datenschutzstandards.
  • Hohe Transparenz durch zertifizierte Services und Produkte.
  • Wettbewerbsfähige Services, die Monopolstellungen der internationalen Tech-Konzerne bekämpfen
  • Abbau von Hürden (z.B. bei der Datenmigration) für den Mittelstand
  • Innovationsförderung
  • Zugriff auf und Austausch von gebündelten Datensätzen

Anwendungsbeispiele

GAIA-X bietet Ihnen künftig Zugang zu einem breiten Portfolio von Cloud-Anbietern und ihren Produkten. So haben Sie die Möglichkeit, eine passgenaue Lösung zu finden. Wir zeigen Ihnen zwei Anwendungsbeispiele:

GAIA-X im Smart Manufacturing:

Wenn Sie ihre Produktion nach dem Modell der Industrie 4.0  praktisch umsetzen wollen, muss die gesamte Wertschöpfungskette miteinander vernetzt sein. Aktuell setzen sich jedoch Produktionsanlagen aus vielen Komponenten zusammen, die nicht immer einheitliche Cloud-Systeme nutzen. Standardisierte Abläufe sowie einheitliche Rahmenbedingungen zum Datenaustausch fehlen häufig. GAIA-X bietet hier einen festen Rahmen, der Ihnen das Schnittstellenmanagement vereinfacht. Dank der vernetzen Infrastruktur können Sie Daten effizient in ihr System integrieren, sicher austauschen und wertschöpfend zum Einsatz bringen.

GAIA-X bei Supply Chain Collaboration:

Transparenz und Steuerung der Zuliefererkette werden, nicht zuletzt durch die Diskussion um das neue Lieferkettengesetz, zur zentralen Herausforderung für viele Unternehmen. Entscheidend für ein erfolgreiches Management der Supply Chain ist die Bereitstellung und Verknüpfung von Daten unterschiedlicher Akteure. Auch hier bietet GAIA-X Vorteile. Ihr bilateraler Abstimmungsaufwand mit anderen Unternehmen verringert sich durch die einheitlichen Standards. Sie können Daten effizienter miteinander verknüpfen und auf sicherem Wege an ausgewählte Partner weitergeben. Durch transparente Prozesse können einzelne Produktkomponenten besser zurückverfolgt und beispielsweise Rückholaktionen schneller umgesetzt werden.

Kritik am Projekt GAIA-X

Zu den Unternehmen, die das Projekt GAIA-X unterstützen wollen, zählen auch Firmen wie Google, Amazon und Microsoft. Deren Mitwirkung am Projekt wird von vielen Seiten kritisch beobachtet. Die GAIA-X Association setzt sich allerdings nur aus europäischen Vertretern zusammen. Sie entscheidet über die Aufnahme von neuen Mitgliedern und schreibt diesen vor, sich der Zielsetzung des Projekts und der Satzung zu verpflichten. Außereuropäische Unternehmen, sie sich beteiligen wollen, unterliegen damit den europäischen Wertvorstellungen. Zusätzlich plant die EU- Kommission außereuropäischen Unternehmen im Data Governance Act gesetzlich vorzuschreiben, dass sie sensible Daten innerhalb Europas speichern und verarbeiten müssen.

GAIA-X hat nicht zum Ziel, eine Dateninfrastruktur nur für Europa zu schaffen. Das Projekt steht Unternehmen und Organisationen weltweit offen. Vielmehr geht es darum, Transparenz und Standards nach europäischen Maßstäben sicherzustellen.

Nachteile für den Mittelstand? 

Ein weiterer Kritikpunkt an GAIA-X ist, dass ausschließlich große Unternehmen in der Projektorganisation der GAIA-X Association vertreten sind.  Die Gelegenheit, kleine und mittlere Unternehmen mit einzubeziehen, wurde kritischen Stimmen zufolge nicht ausreichend genutzt. Jedoch bietet das Projekt dem Mittelstand eine Plattform mit hohem Wertschöpfungspotential sowie die Möglichkeit zu mehr Sichtbarkeit. Einen weiterer großer Vorteil der Infrastruktur für kleine und mittlere Unternehmen ist die Verringerung von Abhängigkeiten. Datensouveränität hat für Unternehmen aller Größen Relevanz.

Die Kritik an GAIA-X ist in Teilen berechtigt und sollte offen diskutiert werden. Dennoch bietet das Technologieprojekt bedeutende Vorteile und eine Chance für Europa und Unternehmen weltweit.

Autorin: Esta Winkler

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