Mittelstand meets Start-up

Worauf müssen Sie bei einer Kollaboration mit Start-ups achten? Michael Sauer, einer der Gründer des Start-up Motius, verrät im Interview mit Christoph Gerling (Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft), welche Vorteile die Zusammenarbeit von Start-ups und Unternehmen mit sich bringt und vor welchen Problemen eine Partnerschaft stehen kann.

Durch eine Partnerschaft mit einem Startup können Unternehmen digitalen Herausforderungen besser begegnen.

Der digitale Wandel verändert die Unternehmenslandschaft und immer häufiger reagieren auch kleine und mittlere Unternehmen (KMU) darauf. Sie investieren in digitale Technologien, um ihr Geschäftsmodell neu auszurichten, ihre Prozesse effizienter zu gestalten, oder weil sie durch den Wandel und die veränderten Kundenbedürfnisse dazu gezwungen werden.

Das Start-up Motius entwickelt neue technische Lösungen, Produkte und Prototypen – und zwar gemeinsam mit den Unternehmen. Das Unternehmen greift bei der Entwicklung neuer Lösungen auf einen Talentpool aus etwa 900 InformatikerInnen, MaschinenbauerInnen, ElektrotechnikerInnen und DesignerInnen zurück. Damit verfolgt das Start-up einen neuen Ansatz: Forschung und Entwicklung werden gemeinsam mit Unternehmen betrieben.

Wir befinden uns in einer Zeit, in der sich Technologien extrem schnell weiterentwickeln, vor allem im digitalen Bereich. Es gibt ständig neue Programmiersprachen, Frameworks, Tools und Services. Unternehmen fällt es immer schwerer, mit diesen technologischen Entwicklungen mitzuhalten. Durch unsere fluide Unternehmensstruktur mit unserem Talent Pool bilden wir diese Dynamik, mit der sich Technologien verändern, ab. Im Mittel haben die Talente eine Verweildauer von drei Jahren in unserem Pool. Entsprechend tauscht sich auch das Wissen stetig aus und wir können immer neue Technologiethemen abbilden.

– Michael Sauer

Zusammenarbeit in der Praxis: Best-Practice Beispiel

Ein externer Partner bringt außerdem den Vorteil, dass nochmal ein ganz neuer Blick auf das Problem geworfen wird und so oft ganz neue Lösungsansätze entstehen. Michael Sauer gibt ein anschauliches Praxisbeispiel aus einem gemeinsamen Projekt mit einem Mittelständler, der Hydraulikanlagen herstellt. Solche Anlagen findet man in Baggern, Anlagen und Kränen.

Best practice Beispiel einer Kollaboration von Unternehmen und Startup.

Das Problem:

Wenn ein Unternehmen Beispielsweise mit Kran, oder Bagger arbeitet, in dem eine Hydraulikanlage verbaut ist, muss die Ventilsteuerung parametrisiert werden. Bisher mussten die Mitarbeiter dazu auf den Maschinen herumklettern. Dieser Vorgang war sehr umständlich und zeitaufwändig. Der Hydraulikanlagen Hersteller kollaborierte mit einem Start-up. Gemeinsam konnte innerhalb weniger Wochen eine digitale Lösung umgesetzt werden.

Die Lösung:

Das Start-up verbaute ein Bluetooth-Low Energy-Modul und konnte so eine neue Ventilsteuerung entwickelt. Umgesetzt wurde diese Steuerung in einer App. Die MitarbeiterInnen können jetzt per Smartphone, mit Hilfe weniger Klicks, die einzelnen Ventilsteuerungen auswählen und parametrisieren.

Das Projekt wurde innerhalb von wenigen Wochen umgesetzt. Zu Innovation gehört auch dazu, auf dem Markt erfolgreich zu sein, dem Unternehmen intern Nutzen zu bringen oder ein Produkt zu entwickeln. Für den Mittelstand ist wichtig: Dass es nicht bei Konzepten bleibt, sondern dass sie den Mehrwert in Form einer konkreten Lösung sehen.

Michael Sauer

Tipp:

Weitere Best-Practice Beispiele finden Sie in unserer Broschüre „Neu gedacht, digital gemacht“.

Wie Sie durch Kollaboration profitieren

Neue Technologien wie zum Beispiel maschinelles Lernen oder die erweiterte Realität stellen aber viele KMUs vor große Herausforderungen. Wie können Sie sich optimal auf diese Veränderungen vorbereiten? Start-ups sind Experten auf dem Gebiet Innovation, von einer Zusammenarbeit profitieren beide Seiten. Bleiben Sie durch eine Partnerschaft flexibel und setzen Sie neue Standards in Ihrem Geschäftsfeld.

Als UnternehmerIn kennen Sie sich in Ihrer Branche sehr gut aus und wissen über Prozesse und Probleme Bescheid. Start-ups können vor allem bei Themen, die über den Kernbereich Ihres Unternehmens hinausgehen, viel leisten. Da das komplette Know-How von KMUs meist bei den eigenen Mitarbeitenden liegt, ist es aber oft schwer für sie, mit Externen zusammenzuarbeiten.

Themen wie geistiges Eigentum erschweren die Zusammenarbeit. Da das komplette Know-How bei den eigenen MitarbeiterInnen steckt, tun sich kleinere Unternehmen schwer damit, sich zu öffnen und mit externen Partnern zusammenzuarbeiten. Bei Mittelständlern spielen außerdem Fragen wie “Wie können wir damit Geld verdienen?” und “Wann rechnet sich das?” schon von Beginn an eine Rolle. Die Kollaboration sollte daher langfristig ausgerichtet werden.

Michael Sauer

Vor- und Nachteile einer Kollaboration

Welche Vorteile bringt Ihnen die Zusammenarbeit mit einem Start-up und vor welche Herausforderungen werden Sie möglicherweise gestellt? Wir fassen zusammen:

Vorteile

  • Start-ups können Ihrem Unternehmen Anschub und Impulse geben
  • Sie kommen von außen ins Unternehmen und liefern einen neuen Blick und neue Ansätze
  • Außerdem sind Start-ups flexibel, schnell und können innerhalb kürzester Zeit mit der Umsetzung und Entwicklung von Lösungen starten
  • Zudem werden Sie durch eine Zusammenarbeit mit einem Start-up zu einem attraktiveren Arbeitgebenden für junge Arbeitnehmende

Nachteile

  • Es besteht die Möglichkeit, dass ein Start-up nicht lange genug existiert, um Ihr Unternehmen langfristig zu unterstützen
  • Den Start-ups fehlt es oft an Erfahrung
  • Kleine und Mittlere Unternehmen haben ein geringeres Budget als große Unternehmen, wodurch weniger finanzielle Mittel für Innovationsvorhaben zur Verfügung stehen

Aus der Zusammenarbeit von Mittelstand und Start-ups kann viel Gutes, vielleicht auch Richtungsweisendes für beide Unternehmen entstehen. Der gemeinsame Arbeitsprozess gibt Raum, voneinander zu lernen und sich weiterzuentwickeln.

Machen Sie den ersten Schritt: Unsere Matchmaking -Workshops geben Ihnen die Chance, ein Start-up für eine mögliche Kooperation kennenzulernen:

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Mittelstand meets KI-Startup (Online-Workshop)

Wir verbinden KI-Start-ups und den Mittelstand: Eine Kollaboration mit Start-ups kann Ihnen helfen, Probleme innovativ und einfach mithilfe Künstlicher Intelligenz zu lösen. In unserem Matchmaking-Workshop knüpfen Sie erste Kontakte und entwickeln gemeinsam eine erste Anwendungsidee.

Blog

„Digital jetzt“ – Alles zur neuen Investitionsförderung für Unternehmen

Die neue Förderung für kleine und mittlere Unternehmen des BMWi „Digital jetzt“ startet am 7. September: Einzelunternehmen können bis zu 50.000 Euro Zuschuss für Hard- und Software sowie die Qualifizierung der Mitarbeitenden beantragen. Wir haben für Sie alle wichtigen Infos zur Förderung und Antragsstellung zusammengefasst.

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