Verstehen, Beobachten, Sichtweise definieren.

Bevor Sie Geschäftsideen umsetzen und Geld und Zeit investieren, lohnt es sich, mit der Design Thinking Methode bereits früher im Prozess anzusetzen. Risiken von Fehleinschätzungen und Missverständnissen im Prozess der Entwicklung können so minimiert werden. Aber vor allem bereichert die Methode das kreative Potential ihrer Idee und wird nutzer- und anwendungsorientierter.

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Viele Ideen, viele Begriffe.

Im ersten Schritt unseres Trainings bei der HPI Academy stellten die Teilnehmer ihre eigenen Geschäftsideen vor. Daraus formulierten die Trainer dann Fragestellungen mit den Schlüsselbegriffen. Es entstanden Fragen wie: Wie kann ich einen Friseurbesuch als Erlebnis gestalten? Wie kann ich das Themenfeld Garantie für Geräte im Haushalt nutzerfreundlich und digital gestalten? Wie können wir Unternehmen dafür sensibilisieren, im Hinblick auf die Digitalisierung rechtzeitig und ganzheitlich Veränderungen vorzunehmen? Wie kann ich ein Trainingserlebnis für Speaker digital neu gestalten? Wie können wir Mitarbeiter von Banken für Digital Banking begeistern? Wie kann ein Pop-Musik-Museum digital und analog aussehen? Wie können wir eine demokratische Bar-Such-App gestalten? Wie können alle Stakeholder einer Wertschöpfungskette für  Abbau, Handel und Verarbeitung von Mineralien dazu bewegt werden fair und nachhaltig zu handeln?

Gemeinsames Verständnis für Begriffe.

In kleinen Gruppen entwickelten die Teilnehmer in Design-Thinking-Team-Areas ein gemeinsames Verständnis des Problems, auf dem die jeweilige Geschäftsidee basiert. Dafür schrieben alle ihr rein assoziatives Verständnis der Schlüsselbegriffe auf farbige Klebezettel, diskutierten diese und bestimmten die Bedeutung der Begriffe im Kontext der Geschäftsidee. Was ist ein Friseurerlebnis? Wer sind die „Stakeholder“? Was ist das Trainingserlebnis?

Vor Ort sein, beobachten, eintauchen.

Nachdem damit sichergestellt ist, dass das gesamte Team ein gemeinsames Verständnis von Idee, Begriffen und dem Problem hat, geht es darum das Problem des Kunden für welches eine passende Lösung gefunden werden soll durch den Gang ins Feld, durch beobachten, fragen, zuhören und eintauchen zu verstehen. Hier wurden in diesem Fall kurze Interviews mit Passanten geführt und zuvor passende Fragen erstellt.

Interview-Tipps.

Die Teilnehmer konnten sich an den Tipps der Trainer entlang hangeln:

  • Formuliere offene W-Fragen? Wie?
  • Stelle einfache und klare Fragen.
  • Frage nach dem Grund: Wieso? Weshalb? Warum?
  • Frage nach Emotionen und Geschichten
  • Gib Geschichten Raum, lass Stille zu, damit der Interviewte sich Gedanken machen kann
  • Achte auf Körpersprache deines Gegenübers
  • Suche nach Widersprüchen und Konflikten
  • Frage ohne zu bewerten
  • Vermeide verallgemeinernde Aussagen wie „normalerweise“

So gingen sie ins Feld und befragten Passanten aller Altersgruppen je nach Teamthema danach, was Ihnen beim Kauf Ihres letzten Handys wichtig war, ob dabei Nachhaltigkeit in der Produktion eine Rolle spielt. Oder sie fragten, wie ein gutes Friseurerlebnis für sie aussieht. Sie erkundigten sich bei den Menschen, ob sie etwas präsentieren müssen und wie sie sich dabei fühlen.

Mehr Erkenntnisse als gedacht in kurzer Zeit.

Gegenseitig präsentierten die Teams Ihre „Persona“ zusammen mit stichhaltigen Interviewzitaten und berichteten von den überraschenden Erkenntnissen. Erste aufkommende Ideen zur Lösung wurden aber weiterhin zurückgestellt, um sich voll und ganz dem „Problemraum“ zu widmen und all seine Facetten zu verstehen.  So zeigte sich, dass die meisten Smartphone-Nutzer Nachhaltigkeit zwar für wichtig und wünschenswert halten, dies aber bei den meisten nicht entscheidend bei der Wahl eines Smartphones ist. Erst wenn es sich positiv oder negativ auf das persönliche Leben auswirkt oder einfache und gut sichtbare Informationen zu Nachhaltigkeit an den Produkten vorhanden sei, könne dies das Kaufverhalten beeinflussen.
Zu ihrem Verhalten beim Friseur befragt, zeigte sich, dass die Unsicherheit über das gewünschte Ergebnis und was passen könnte, als Problem empfunden wurde.
Befragt danach, wie man sich ein digitales Training für besseres Präsentieren von Leuten vorstellen könnte, kamen vor allem Ängste zur Sprache, mit denen man konfrontiert werden müsse. Das Präsentieren vor einer Riege kritischer Professoren könne ein Szenario dessen sein.

Fazit: „Jedem Entwicklungsingenieur zu empfehlen.“

Als besonders schwierig wurde es in all den Schritten empfunden, das typischerweise auf die Lösung fokussierende Denken abzustellen, um zunächst ganz in den „Problemraum“ einzutauchen, bevor überhaupt der „Lösungsraum“ betreten wird. Auf diese Weise erhielten die Teilnehmer ganz neue Gedanken, Information und Erkenntnisse über das eigentliche Problem, ohne vorschnell an der vermeintlichen Lösung zu arbeiten. „Jedem Entwicklungsingenieur ist zu empfehlen mal so zum normalen Volk zu gehen, wie wir heute“, sagt ein Teilnehmer.  Ein andere war überrascht, wie schnell man sich durch die interdisziplinären (vielleicht besser „heterogene“) Teams ganz anders in ein Thema hineindenken, neue Perspektiven einnehmen und gute Ideen und Ansätze finden kann.  Ein Dritter sagt: „Die Geschwindigkeit, das Machen, das Kreative: es hat mich fröhlich gemacht.“ Die meisten wollen wiederkommen und Ihre Idee mit der Methode weiter präzisieren.

Mehr gibt es am 24. April – dort können UnternehmerInnen durch die Entwicklung eines Prototypen Ihres Prozesses, Produktes oder Ihrer Dienstleistung die Funktionsfähigkeit visualisieren und testen. Mehr Infos und die Anmeldung gibt es hier.

Marie Landsberg

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